Kraremann

 Ne Kraremann verzöllt
Der Kraremann

Der Kraremann

Die Bewohner der Dörfer um Simmerath haben zum Teil bestimmte Namen. Da gibt es die „Bessemsbenger“ in Lammersdorf oder die „Moospängs“ in Eicherscheid oder aber die „Kraremänn“ in Simmerath. Wie der Name Kraremann nun entstanden ist, erklärt Gustav Braun in dem Buch „Simmerath von den Anfängen bis heute“ so:

In Simmerath gab es wegen seiner zentralen Lage seit je her zahlreiche Händler und Krämer. Bei ihren Geschäften mußten sie stets korrekt gekleidet sein: Ein Unterhemd aus Maco-Baumwolle, darüber eine gestärkte Hemdbrust, ‚Beffje‘ oder ‚Chemisettche‘ genannt. Darauf wurde mittels einem besonderen Knopfes der Kragen aus steif gestärktem Leinen, nicht selten auch aus weißem Gummi, befestigt. Die Kragenecken waren umgeknickt. Die Krawatte ‚de Bind‘ war der Einfachheit halber stets fertig geknotet. Zum Ablegen wurde sie gelockert, über den Kopf gezogen und fortgelegt.Beim Anlegen brauchte man sie nur noch festzuziehen. Eine Weste mit Taschenuhr an einer dicken Uhrkette, möglichst aus Gold, durfte nicht fehlen. So gekleidet gingen die ‚Kraremänn‘ zur Heuzeit mit ‚Sössel‘ (Sense), ‚Jaffel‘ (Heugabel) oder ‚Räch‘ (Heurechen) über der Schulter auf ihre Wiesen. Vor Beginn der Arbeit wurden ‚Krare un Bind‘ säuberlich abgelegt, und nach der Arbeit wieder korrekt angelegt. Auch zum ‚Flatte-Spredde‘ dem Verstreichen der Kuhfladen auf der Weide, gingen die ‚Kraremänn‘ stets gut gekleidet hinaus. Wen wundert’s, daß noch heutzutage in den umliegenden Ortschaften den Simmerathern die Überzeugung unterstellt wird, sie seien ‚etwas besseres‘ wie andere Leute.

In dem gleichen Buch hat Willi Wilden noch eine andere Erklärung für die Enstehung des ‚Kraremann‘, die etwas weiter in die Vergangenheit zurückreicht:

Die zur Pfarre Simmerath gehörenden Orte des Monschauer Landes* hatten dann und wann ein Mitglied des Kirchenvorstandes, vornehmlich den Rendanten zu Besuch. Dieser kam natürlich in Schlips und Kragen, um der Bedeutung seines Amtes äußerlich Ausdruck zu verleihen. Das er bei den Leuten nicht gerne gesehen wurde versteht sich: wenn er kam, ging es um Geld. Sie machten dann ihrem Ärger Luft und sagten. “ Do köt de Kraremann va Sömmert at weer!“

Ganz gleich welche Version zutrifft, an der Tatsache an sich ändert dies nichts: Simmerather sind „Kraremänner“!

*(siehe Buch ‚Simmerath von Anfängen bis heute‘ E.Neuß sowie unser Buch ‚650 Jahre Pfarre Simmerath‘ , 1996)